ALBERT FRANCK Jugendstil Abendkleid, Frankfurt am Main, ca. 1911 – Seltenes Hoflieferantenkleid

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Die Rekonstruktion eines Fragments der Frankfurter Modehistorie beginnt mit dem bemerkenswerten Erbe des Hauses Albert Franck, einem Namen, der einst gleichbedeutend war mit Luxus-Schneiderei, Hofmode und dem florierenden Textilhandel des 19. Jahrhunderts. Am 6. Januar 1835 von Albert Franck (1804–1871) gegründet, firmierte das Geschäft als angesehenes Haus für Manufakturwaren, Seiden, Spitzen und Unterwäsche. Über Jahrzehnte entwickelte sich das Unternehmen zu einer der angesehensten Adressen Frankfurts für hochwertige Damenmode, geprägt durch eine Reihe von Familienmitgliedern, die seinen Ruf und seine kommerzielle Reichweite ausbauten.

Rosina Franck, geb. Doctor, erhielt 1843 Prokura, gefolgt von Alberts Bruder Anton Franck im Jahr 1850. Nach Antons Ausscheiden im Jahr 1863 trat die nächste Generation in die Firma ein: Harry Albert Franck wurde 1864 Partner, und nach Albert Francks Tod trat Rosina Franck selbst als Miteigentümerin ein. 1876 trat Emil Franck in die Geschäftsleitung ein und führte das Unternehmen in die Ära der spätviktorianischen Mode und der aufkommenden Edwardianischen Zeit. Um 1910 befand sich das Geschäft in der Kaiserstraße 2/Rossmarkt, direkt im kommerziellen Herzen von Frankfurt am Main.

1910 starb Emil Franck im Alter von 63 Jahren, Berichten zufolge an einem plötzlichen Herzinfarkt. Zeitgenössische Quellen, wie die Leipziger Monatsschrift für Textil-Industrie (25. Mai 1910), beschreiben ihn als „Mitbesitzer des Konfektionsgeschäfts Albert Franck“. Nur ein Jahr später reichte seine Witwe Pauline Franck (geb. Orthenberger) in Berlin einen Antrag auf das prestigeträchtige Hofprädikat ein. Der Antrag wurde genehmigt. Das hier präsentierte Kleid trägt bereits das Etikett „Albert Franck – Hoflieferant“, was den Status des Unternehmens als Hoflieferant der Königin von Preußen bestätigt. Das offizielle Verzeichnis führte das Unternehmen bald in der Viktoriastraße 4, Berlin, als Hoflieferant der Königin auf, was darauf hindeutet, dass das Geschäft eine formelle Präsenz in der Hauptstadt unterhielt, wie es von allen königlichen Hoflieferanten verlangt wurde.

Es ist wahrscheinlich, dass Königin und Kaiserin Auguste Viktoria das Atelier Franck bei einem ihrer Besuche in Frankfurt aufsuchte und dort Kleider entweder für sich selbst oder für ihre Hofdamen in Auftrag gab. Diese Verbindung platziert das Haus Albert Franck unter den seltenen Beispielen deutscher Hofschneider, die zwischen der spätviktorianischen, der edwardianischen und der Jugendstilmode tätig waren.

 

Beschreibung des Kleides

Das Kleid selbst ist ein atemberaubendes Beispiel edwardianischer Abendgarderobe und Jugendstilmode – ein Traum in Grün. Über einem schimmernden grünen Seidenunterkleid schwebt ein zart getöntes Tüll-Überkleid in einem etwas helleren Farbton derselben Farbe, was Tiefe und tonale Eleganz erzeugt. Das Überkleid ist reich verziert mit goldfarbener Metallspitze und goldenen Stoffapplikationen, die ein luxuriöses Zusammenspiel von Textur und Licht bilden, typisch für die Haute Couture des frühen 20. Jahrhunderts.

Ein Seidengürtel umschließt die Taille und erstreckt sich hinten in zwei lange, gekreuzte Stoffbahnen. Die Taille ist zusätzlich mit Kordeldetails verziert, die in zwei hängenden Applikationen mit Perlsträngen enden – einige davon fehlen, was bei antiken Kleidungsstücken üblich ist. Das Kleid weist einen weichen halbrunden Ausschnitt und kurze Ärmel auf, die vollständig aus Metallspitze gefertigt sind und seine ätherische Qualität unterstreichen. Jedes Element des Kleides atmet den Geist des Jugendstils.

Trotz seines Alters ist das Kleid in gutem antikem Zustand. Das Tüll-Überkleid weist mehrere kleine Löcher auf, insbesondere unter den Armen, die jedoch beim Tragen oder Ausstellen in den Falten verschwinden. Einige Nähte sind offen, und einige Druckknöpfe, Haken und Ösen fehlen – typische Gebrauchsspuren für ein Seiden- und Tüllkleid von ca. 1910.

Was dieses Stück wirklich außergewöhnlich macht, ist seine Herkunft. Kleider mit einem Frankfurter Etikett sind äußerst selten; in Jahrzehnten des Sammelns ist dies erst das zweite Exemplar, das uns begegnet ist. Das erste befindet sich in einem Frankfurter Museum. Aber die Kombination aus Frankfurt am Main und Hoflieferant – einem königlichen Siegel – ist uns noch nie zuvor begegnet. Dieses Kleid ist daher nicht nur ein Meisterwerk der edwardianischen Couture, sondern auch ein seltenes Dokument der deutschen Modehistorie, der Hofkultur und der regionalen Handwerkskunst.